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Laufende Projekte

Aktuelle Projekte und Initiativen der Geflügelwirtschaft Österreich – für mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit und praxisnahe Forschung.

AMA-Gütesiegel-Programm · FEDER #3|2025
Mehr Struktur für mehr Tierwohl

Optimierte Auslaufgestaltung in der Legehennenhaltung

Der Auslauf ist das Aushängeschild der Legehennen-Freilandhaltung. Er soll artgemäß, sicher und attraktiv gestaltet sein – für die Hennen, für die praktikable Bewirtschaftung durch Landwirtinnen und Landwirte, und er soll auch der Erwartungshaltung von Konsumentinnen und Konsumenten entsprechen. Im AMA-Gütesiegel-Programm rückt die Auslaufgestaltung verstärkt in den Fokus – mit klaren Vorgaben, praktikablen Lösungen und dem Ziel einer verbesserten Auslaufnutzung durch die Hennen.

Hennen sind Waldrandtiere: Das Haushuhn stammt ursprünglich vom Bankivahuhn ab – einem Waldrandbewohner, der offenen Raum meidet und bevorzugt entlang von Hecken und geschützten Strukturen Nahrung sucht. Ohne Schutz nutzen Legehennen verfügbare Flächen nur unzureichend. Deshalb sind auf den Auslaufflächen Elemente wie Unterstände bzw. Schattenspender zum Schutz vor widrigen Witterungsbedingungen und vor Raubtieren zur Verfügung zu stellen.

Zahlen & Tendenzen: Aktuell gibt es 712 abgeschlossene Erzeugerverträge bei der Richtlinie „Legehennenhaltung“ im AMA-Gütesiegel. Von insgesamt 6 Millionen Hennen werden rund 2,5 Millionen in Freilandhaltung gehalten – sowohl bio als auch konventionell. Der Trend ist eindeutig: Laut RollAMA-Analyse nimmt die Freilandhaltung zu.

In Österreich gelten per Gesetz 8 m² Auslauffläche pro Henne; seit 2023 erlaubt die 1. Tierhaltungsverordnung unter bestimmten Voraussetzungen eine reduzierte Auslauffläche von 4 m² pro Henne – bei gleichzeitig hochwertiger Auslaufgestaltung. Im AMA-Gütesiegel-Programm Legehennenhaltung soll es zukünftig vier Varianten geben: die Biodiversitätsweide mit 4 m² oder alternativ die Auslaufgestaltung mit 8 m² – jeweils mit und ohne Photovoltaikanlagen.

Biodiversitätsweide (4 m²)

  • 0,3 Laufmeter Hecke pro Henne – oder Mischform: 0,15 Laufmeter Hecke plus 0,03 Bäume pro Henne
  • Anerkennung über AMA-Marketing (Skizze, Pflanzenliste, Fotos, Pflanzdatum, Rechnung)
  • 100 Prozent Bepflanzung vor Einstallung notwendig
  • Aufwuchsvorgaben ab dem 2. Vegetationsjahr: Hecken Ø 0,70 m, Bäume Ø 1,50 m Höhe
  • Photovoltaik möglich: maximale Überschirmung 45 %, PV ersetzt keine Hecken oder Bäume

Auslaufgestaltung (8 m²)

  • Mindestens vier Elemente je 1.000 Hennen, gleichmäßig über die Auslauffläche verteilt
  • Davon mindestens 50 % natürliche Elemente (Bäume, Hecken, Sträucher), maximal 50 % künstliche (z. B. mobile Unterstände ≥ 4 m²)
  • Maximal 20 m Entfernung vom Stall zu den ersten Strukturelementen
  • Photovoltaik: max. 60 % Überschirmung, 0,1 Laufmeter Hecke je Henne verpflichtend
  • Zeitplan: Bepflanzung ab 2026, Pflege und Nachbesserung 2027, verpflichtende Umsetzung bis spätestens 2028

Geeignete Pflanzenarten: Weißdorn, Liguster, Apfelrose, Eberesche, Schwarzer Holunder, Dirndlkirsche, Hainbuche, Vogelkirsche u. v. m. — Photovoltaikanlagen sind bei der AMA-Marketing unter tierisch@amainfo.at zu beantragen. Die Kriterien gelten vorbehaltlich der Zustimmung durch das BMLUK sowie der Notifizierung der Richtlinie durch die EU.

AMA-Gütesiegel-Programm · FEDER #4|2025
Auslauf mit Konzept

Biodiversitätsweide oder klassischer Auslauf – was Betriebe jetzt wissen müssen

Die Anforderungen an die Auslaufgestaltung für Legehennen im AMA-Gütesiegel-Programm werden laufend weiterentwickelt – mit dem Ziel, verbesserte Tierhaltung, Umwelt und betriebliche Praxis bestmöglich in Einklang zu bringen. Neben der klassischen Variante mit 8 m² Auslauffläche pro Henne steht Betrieben nun auch die Biodiversitätsweide mit 4 m² pro Henne als weitere Option zur Verfügung. Beide Modelle ermöglichen individuelle Lösungen, etwa durch die Integration von Photovoltaik-Paneelen oder bestehenden Waldflächen.

Die wichtigsten Kriterien im Detail

  • Mischformen möglich: Ein Betrieb kann gleichzeitig Herden mit Biodiversitätsweide (4 m²) und konventioneller Auslaufgestaltung (8 m²) halten – bei getrennten Produktionsformen in Stall und Auslauf.
  • Über-, Unterführungen oder Rampen nur nach Einzelprüfung und Freigabe durch die AMA-Marketing. Unterführungen: mindestens 200 cm breit, 100 cm hoch, maximal 10 m lang.
  • Mindestbreiten: Korridore im Auslauf müssen mindestens die doppelte Breite der Summe aller Auslauföffnungen aufweisen. Beispiel 4.000 Hennen: 8 m Auslauföffnungen → mindestens 16 m breiter Korridor.
  • Angrenzende Waldflächen können integriert werden: pro Hektar sind – abhängig vom Baumbestand – maximal 150 Bäume als natürliche Elemente anrechenbar.
  • Auslaufentfernung (8 m²): Zwei Drittel der Auslaufflächen müssen innerhalb von 200 m zur nächstgelegenen Auslauföffnung liegen.
  • Tieranzahl: maximal 24.000 Legehennen pro Stalleinheit, Gruppengröße 6.000 Tiere.
  • Natürliche Elemente: ein Baum ab 1,5 m Höhe oder vier Sträucher ab 0,5 m Höhe. Künstliche Elemente: Unterschlupfmöglichkeiten mit mindestens 4 m².

Tipp aus der Praxis: Herbstpflanzung, Umbruchflächen und Schutz vor Wildverbiss fördern das Anwachsen; versetzte Pflanzung im Dreiecksverband sorgt für rasches Schließen der Reihen. Wer eine Biodiversitätsweide, eine Über- oder Unterführung, eine Rampe oder eine Photovoltaikanlage plant, meldet dies mit den Umsetzungsplänen an tierisch@amainfo.at – die Freigabe erfolgt durch die AMA-Marketing.

Vetmeduni Wien & QGV · FEDER #3|2025
Wissenschaft

Projekt Gesundes Brustbein – was wir aus über 40 Betriebsbesuchen lernen

Im Rahmen eines Projekts der Vetmeduni Wien in Kooperation mit der QGV besucht ein zweiköpfiges Forschungsteam – PhD-Studentin und Geflügeltierärztin Viktoria Weissenböck und Technische Assistentin Alisa Baumann – Legehennenbetriebe in ganz Österreich, inzwischen über 40. Das Ziel: herausfinden, warum Brustbeinfrakturen bei Legehennen so häufig auftreten – und was man am Betrieb dagegen tun kann.

Mit einer mobilen Röntgenanlage werden Röntgenbilder vom Brustbein der Hennen angefertigt, um Frakturen und Deformationen zu diagnostizieren. Auch der Gesundheitszustand der Hennen wird genau erfasst: Federkleid, Fußballengesundheit und Brustbeinintegrität werden untersucht und protokolliert. Zusätzlich werden Stallparameter wie Winkel und Distanzen im Aufstallungssystem, Lichtintensität, Ammoniakgehalt sowie das betriebsspezifische Management (Fütterung, Einstreumanagement, Legeleistung) erhoben – denn schwere Brustbeinfrakturen können die Legeleistung stark drosseln.

Die Eindrücke aus der Praxis sind vielfältig: von umgebauten Rinderställen bis zu hochmodernen Volierenstallungen, von Sitzstangen aus Metall, Holz oder ergonomischem Kunststoff bis zu Rampen und Leitern für ein „absturzsicheres“ Bewegen im System. Auch Einstreu (Stroh, Zellulose, Pellets, Hackschnitzel, Sägespäne), Parasitenbefall und deutliche Verhaltensunterschiede zwischen den Hybrid-Linien fließen als mögliche Risikofaktoren in die Auswertung ein.

Jetzt teilnehmen – Ihre Vorteile

  • Kostenloses Screening Ihrer Herden in Bezug auf Brustbeinfrakturen
  • Tipps zu Verbesserungsmöglichkeiten in der Haltung – und damit möglicherweise weniger Frakturen und mehr Leistung
  • Kostenlose Kotproben- und Futteranalyse
  • Dauer der Untersuchung am Betrieb: rund 6 Stunden; eine permanente Anwesenheit ist nicht notwendig

Anmeldung ausschließlich bei Viktoria Weissenböck: Viktoria.Weissenboeck@vetmeduni.ac.at (0676 4623288) – bitte geben Sie zusätzlich Ihre QGV-Mitgliedsnummer an.